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Was ist eigentlich Nachhaltigkeit? Gastbeitrag von Dr. Michael Samhammer

Das Wort Nachhaltigkeit hört man oft, aber eigentlich ist es gar nicht so einfach zu sagen, was Nachhaltigkeit wirklich bedeutet. Dir fällt vermutlich erstmal ein: "Nachhaltig ist gut für die Umwelt". Es ist aber noch etwas komplizierter. Die Idee der Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft: Bei nachhaltiger Nutzung werden nur so viele Bäume gefällt, wie nachwachsen. Damit stellt man sicher, dass immer noch ein Wald für zukünftige Generationen da ist. Aber wie geht man nachhaltig mit Ressourcen um, die nicht einfach nachwachsen?

 

Bäume im Wald sind immerhin die absolute Ausnahme! Die meisten Rohstoffe, die wir heute verbrauchen, sind nachdem Abbau erstmal weg und kommen nicht wieder. Ein Extrembeispiel sind Brennstoffe: jedes Stück Kohle, jeder Tropfen Öl, sogar jeder Krümmel Uran ist nach der Energiegewinnung verbraucht. Dabei ist es völlig egal, wie schnell oder langsam Steinkohle abbaut wird. In für Menschen realistischen Zeiträumen entsteht erstmal keine Steinkohle mehr. Kann man überhaupt nachhaltig mit nicht-nachwachsenden Rohstoffen umgehen?

 

Es gibt keine klare Antwort darauf, aber man kann es zumindest versuchen. Dabei laufen viele solcher Versuche darauf hinaus, dass man die aus der Natur entnommenen Rohstoffe gegen etwas halbwegs Gleichwertiges eintauscht. Ein Beispiel ist das Lausitzer Seenland, wo alte Braunkohlegruben zu Seen rekultiviert werden. Nachdem man der Natur die Braunkohle entnommen hat, versucht man ihr etwas zurück zu geben, indem man Lebensräume für Flora und Fauna schafft. Bei dieser Form der Nachhaltigkeit kann man natürlich darüber streiten, wann ein Austausch von Rohstoffen gleichwertig ist: Wie viele Frösche muss ich ansiedeln, damit ich eine Tonne Steinkohle entnehmen darf? Zukünftige Generationen könnten sagen: "Ist ja nett, dass ihr uns da Seen hingebaut habt. Aber irgendwie hätten wir lieber die Kohle. Günstige Energie bräuchten wir jetzt dringender als Frösche!"

 

Wälder und Braunkohle sind Extrembeispiele. Die Mode liegt irgendwo dazwischen. Einerseits werden viele Kleidungsstücke aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt (z.B. Baumwolle), andererseits werden zu ihrer Produktion und Transport riesige Mengen nicht-nachwachsender Rohstoffe verbraucht. Das Containerschiff, das die Shirts aus Indien nach Europa transportiert, fährt nicht mit Solarzellen, sondern verbraucht fossile Brennstoffe. Die Chemikalien, die für das Färben und haltbar machen verwendet werden, wachsen auch nicht auf einem Baum.

 

Second Hand Mode ist deshalb für ein nachhaltiges Leben so interessant, weil ein Großteil der nicht-erneuerbaren Ressourcen am Anfang des Lebenswegs eines Kleidungsstücks verbraucht werden. Wenn das T-Shirt mal hergestellt und nach Europa transportiert wurde, dann kostet es im Vergleich zu seiner Produktion fast keine Ressourcen mehr, es noch einmal zu verkaufen. Natürlich ist es nicht optimal, wenn ein Kleidungsstück dann einzeln vom DHL-Boten transportiert werden muss, aber das ist immernoch besser als ein neues Shirt zu produzieren. Je öfter Du ein Kleidungsstück wiederverwenden kannst, desto weniger Rohstoffe müssen verbraucht werden, um Dich zu bekleiden.

 

Grundsätzlich sollte man versuchen, so wenig nicht-erneuerbare Ressourcen wie möglich zu verbrauchen, um nachhaltig zu handeln. Dadurch wird es einfacher, der Natur etwas halbwegs Vergleichbares zurück zu geben. Wenn du mehr Kleidung aus zweiter Hand trägst, musst du also weniger Frösche ansiedeln! #FewerFrogsBuySecondHand