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Stoffe, Fasern, Materialien - Naturfasern

Der Stoff aus dem Kleider sind

Nicht nur ein Kaiser braucht ab und zu neue Kleider. Im Gegensatz zu dem leichtgläubigen Monarchen aus dem Märchen greifen wir dafür jedoch gerne zu Second Hand Kleidung. Egal ob neu oder gebraucht, in jedem Fall legen wir aber Wert auf komfortable und pflegeleichte Stoffe, die im Winter wärmen und im Sommer kühlen. Die Wahlmöglichkeiten, woraus Stoffe bestehen und welche Eigenschaften sie haben sollen, sind dabei beinahe endlos.

Eines voraus: Die perfekten Fasern gibt es nicht. Die Vielfalt der Stoffe ist nicht umsonst so groß, denn jedes Material hat seine Stärken und Schwächen. Oft kommen auch Mischungen von Fasern für die Herstellung von Stoffen zum Einsatz, um eventuelle Nachteile der einzelnen Fasertypen auszugleichen und Vorteile zu nutzen. Ein Blick auf das Etikett eurer Second Hand Kleidung lohnt sich in diesem Fall nicht nur für die Wasch- und Pflegehinweise, sondern auch, um die Materialzusammensetzung der Kleidungsstücke herauszufinden. Doch was bedeutet das Material und seine Herkunft für die Kleidung und ihre Trägerin?

Da der nachhaltigen Kleidung die Zukunft gehört, möchten wir außerdem nicht außer Acht lassen, welchen Einfluss die Produktion der verschiedenen Garne auf Mensch und Umwelt hat.

Den ersten Teil zum Thema Fasern und Stoffe widmen wir den Naturfasern. Diese Fasern bestehen aus Rohstoffen natürlichen Ursprungs, also Pflanzen und Tieren. Sie benötigen keine chemischen Verfahren, um zu Garn gesponnen werden zu können. Naturfasern – das klingt irgendwie nach Nachhaltigkeit und umweltfreundlichen Materialien? Die Antwort hierauf lautet „Ja, aber…“. Aber lest einfach selbst…


Pflanzlicher Ursprung

Baumwolle

Die bekannteste Faser aus natürlichen Ausgangsstoffen ist die Baumwolle. Hierfür wachsen keine Schafe auf Bäumen, die Baumwollpflanze ist ein Strauch mit faserigen Früchten. Schon etwa 6000 v.Chr. wurden die Fasern genutzt, nach Europa kam sie aber erst mit der Entdeckung des amerikanischen Kontinents durch die Seefahrer. Knapp 30% aller für die Textilherstellung verwendeten Fasern stammen von der Pflanze, die hauptsächlich im tropischen und subtropischen Klima wächst. Nach der Ernte werden die kurzen Fasern aussortiert, die langen werden gepresst und zu Garn gedreht.

Eigenschaften:

Vorteile

-          Saugfähig und atmungsaktiv (temperaturregulierend)

-          Pflegeleicht

-          Widerstandsfähig

-          Geringes Gewicht

-          Hautfreundlich

Nachteile

-          Wenig elastisch

-          Knittert leicht

-          Braucht lange zum Trocknen

Pflege:

Geringer Pflegeaufwand, da Baumwolle koch- und maschinenfest ist.

Nachhaltigkeit:

Baumwolle ist ein nachwachsender Rohstoff und ist biologisch abbaubar. Jedoch werden der Wasserverbrauch und der Einsatz von Chemikalien bei der Herstellung oft kritisiert. Und auch die Arbeitsbedingungen der Bauern und Arbeiter sind nicht immer optimal. Vielfach sind die Baumwollpflanzen für einen besseren Ertrag genetisch verändert worden. Es gibt aber einige Siegel, die Bio-Baumwolle oder faire Arbeitsbedingungen auszeichnen. Diese ist dann wesentlich nachhaltiger, als die konventionelle Baumwolle.

Leinen

Die Ausgangsbasis für den robusten Leinenstoff bildet die Flachspflanze, genauer gesagt ihre faserigen Stängel. Sie werden entweder nach der Ernte ein paar Tage auf dem Feld liegen gelassen oder in warmes, beziehungsweise kaltes Wasser gelegt. Durch mechanische Verfahren entstehen dann Fasern, die zu Garn weiterverarbeitet werden können. Leinen ist  wohl das traditionsreichste Material für Kleidung. Schon in der Antike wurde die Naturfaser geschätzt, Ausgrabungen lassen vermuten, dass sie schon vor 30.000 Jahren zur Textilherstellung verwendet wurde.

Eigenschaften:

Vorteile

-          Kühlend und wärmend (temperaturregulierend)

-          Pflegeleicht

-          Schmutzabweisend

-          Antistatisch und reißfest

-          Hautfreundlich

Nachteile

-          Knittert leicht

Pflege: 

Schonwaschgang in der Waschmaschine, da Schäden durch Reibung entstehen können. Nicht im Trockner trocknen, denn das Material verträgt trockene Hitze schlecht.

Nachhaltigkeit:

Die Flachspflanze ist ein nachwachsender Rohstoff, der weniger Wasser benötigt, als beispielsweise Baumwolle. Beim Anbau werden Pestizide verwendet und wenn die Fasern durch Warmwasserrösten gelöst werden, entsteht viel Abwasser. Die Gewinnung erfolgt jedoch nur mechanisch, also ohne den Einsatz von Chemikalien und es können weitere Produkte aus der Pflanze gewonnen werden (Leinsamen). Insgesamt ist Leinen also relativ naturschonend und in Bio-Qualität problemlos nutzbar.

 

Hanf- und Jutefasern werden auf eine ähnliche Art und Weise gewonnen wie Leinen. Neben der Verwendung als Dämmstoff sind ihre Garne vor allem zur Verpackung, aber vereinzelt auch für Kleidung beliebt. Die Nachhaltigkeit ist ähnlich zu beurteilen, wie bei Leinen, jedoch werden für die Herstellung von Jutefasern mineralische Öle verwendet. Exotischere Fasern sind Kokos, Bambus oder Banane.

 

Tierischer Ursprung

Wolle

Als Wolle werden die weichen Haare von Schafen, aber auch Ziegen, Kaninchen oder Kamelen, bezeichnet. So richtig populär wurde die Nutzung der Wolle erst etwa 1000 Jahre vor Christus. Die Schafe, wie wir sie heute kennen sind das Ergebnis Jahrtausende langer Züchtung. Sie werden regelmäßig geschoren um aus ihrem Haar Fäden zu spinnen.

Kaschmir ist eine besonders edle Variante der Wolle. Sie entsteht durch das Auskämmen der Unterwolle von Kaschmirziegen. Sie ist besonders wärmend und feuchtigkeitsabweisend.

Eigenschaften:

Vorteile

-          Atmungsaktiv und wärmeisolierend (temperaturregulierend)

-          Bindet Feuchtigkeit

-          Schmutzabweisend

Nachteile

-          Oft chemische Behandlung der Fasern

-          Kann verfilzen oder kratzen

Pflege:

Wäsche bei maximal 30 Grad, eventuell spezielles Wollwaschmittel verwenden. Kleidung nicht ziehen und reiben, liegend trocknen.

Nachhaltigkeit:

Als Naturfaser ist auch Wolle ein nachwachsender Rohstoff, jedoch sind die Haltungsbedingungen der Schafe für Verbraucher oft unklar. Die Fasern werden oft, um sie vor Motten zu schützen und pflegeleichter zu machen, mit chemischen Zusätzen behandelt. Wenn die Tiere nach biologischen Kriterien gehalten werden, zeigen das entsprechende Siegel an der Schafs- oder Kaschmirwolle . Durch ihre positiven Eigenschaften kann Wolle also, sofern die Herkunft bekannt ist, durchaus von umweltbewussten Modeliebhabern getragen werden.

Seide

Der Ursprung der Seide liegt in den Kokons der Seidenraupe. Man kann zwischen der chinesischen und der indischen Seide unterscheiden. Die Inder sammelten früher die Kokons der Seidenspinner in der Natur, während in China Seidenspinner schon vor Jahrtausenden domestiziert wurden. Wenn sich die Raupen verpuppen, werden sie bei der konventionellen Seidenherstellung im heißen Wasser oder mit Wasserdampf getötet, danach werden die Kokons in Seifenwasser gekocht. Dadurch wird der Leim gelöst, der die Kokons zusammenhält und es entstehen lange Fäden. Diese werden dann zu den fertigen Seidenfäden gewickelt.

Eigenschaften:

Vorteile

-          Atmungsaktiv und wärmeisolierend (temperaturregulierend)

-          Leicht zu färben

-          Trocknet schnell

-          Elastisch und leicht

-          Wenig Schmutz- und geruchsanfällig

Nachteile

-          Pflege ist relativ aufwendig

Pflege:

Nach Möglichkeit nur Handwäsche bei niedrigen Temperaturen, vorsichtig im leicht feuchten Zustand bügeln.

Nachhaltigkeit:

Auch Seide ist den nachwachsenden Rohstoffen zuzuordnen. Die konventionelle Produktion ist aber ethisch durchaus fragwürdig, da die Seidenspinnerraupen bei der Gewinnung getötet werden. Aber keine Sorge, es gibt alternative Verfahren, bei denen die Seide erst nach dem Schlüpfen der Seidenspinner gewonnen und auf den Einsatz von Chemie weitestgehend verzichtet wird (Stichworte sind "Bio-Seide", "Wildseide" oder "Peace Silk").

 

Fazit Naturfasern

Naturfasern haben den großen Vorteil, dass sie die Körpertemperatur des Trägers beziehungsweise der Trägerin von Second Hand Mode sehr gut regulieren können. Das bedeutet, dass sie kühlen und wärmen, je nachdem, ob uns eben warm ist oder friert. Einige Materialien sind aber pflegeleichter als andere. Manche brauchen eine Sonderbehandlung, denn gebrauchte Kleidung lässt es sich irgendwann anmerken, wenn nicht genug Rücksicht auf ihre Empfindsamkeiten genommen wurde.

Für die Herstellung der Garne aus Leinen, Wolle oder Baumwolle werden keine Chemikalien benötigt, da die Fasern auf mechanischem Weg gewonnen werden. Dennoch sind Naturfasern nicht automatisch ökologisch, denn es kommen häufig chemische Dünger und Behandlungsmethoden zum Einsatz. Auch der Energieaufwand für die Produktion ist bei manchen natürlichen Rohstoffen hoch. Bei den tierischen Fasern kommt teilweise der Tierschutz zu kurz und der Wasserverbrauch wird zunehmend kritisiert. Die gute Nachricht ist: die Verfahren können so optimiert werden, dass die Umwelt deutlich weniger belastet wird, als mit konventionellen Methoden. Und wie immer gilt „die Menge macht’s“. Sinkt die Nachfrage nach günstig produzierten Stoffen und werden schonend hergestellte Materialien gefördert, ändern sich auch die Herstellungsverfahren. Außerdem wisst ihr ja: Wenn ihr günstig und umweltschonend shoppen wollt, ist Second Hand Kleidung immer eine gute Alternative! :)

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