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Nachhaltige Kleidung – von Anfang bis Ende (Teil 1)

Was können produzierende Unternehmen für nachhaltige Kleidung tun?

Wir lieben Mode! Sie ist Ausdruck der eigenen Persönlichkeit oder Einstellung, hebt bestimmte Charakterzüge hervor, kann sich verschiedenen Anlässen anpassen und manchmal lässt sie uns vorgeben, jemand anders zu sein. Wir sollten jedoch nicht zu bedenkenlos mit unseren Shirts, Hosen oder Schuhen umgehen, schließlich steckt viel mehr in so einem Kleidungsstück, als man zunächst vermutet...

Mode zwischen Quantität und Qualität

Vielleicht habt ihr den Begriff „Fast Fashion“ auch schon einmal gehört. Damit ist gemeint, dass die Unternehmen der Modebranche immer häufiger neuartige Kollektionen auf den Markt bringen. Die Kunden bekommen somit ständig neue Kleidung angeboten und kaufen diese letztendlich auch häufiger. Das hat zur Folge, dass der Lebenszyklus eines Kleidungsstückes kürzer wird, weil entweder die Qualität leidet, oder sich die Modetrends ändern.

Als eine Art Gegenbewegung zu einem immer schnelleren und unbedachteren Konsum hat das Thema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft stark an Bedeutung gewonnen. Und auch vor der Modebranche macht es nicht Halt. Viele Modelabels werben inzwischen damit, dass sie ihre Mode nachhaltiger produzieren - auch weil sie wissen, dass das bei den Kunden gut ankommt. Doch was bedeutet Nachhaltigkeit für die Mode eigentlich? Wann ist Kleidung wirklich nachhaltig?

Im Duden ist Nachhaltigkeit nach seiner ökologischen Bedeutung, das „Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann“. Wir sollten also nicht über unsere Verhältnisse leben und unserem Planeten die Möglichkeit geben, sich zu regenerieren. Dieser bewusste Umgang mit Ressourcen betrifft dabei Menschen, Tiere und Natur gleichermaßen. Folglich ist nachhaltige Kleidung per Definition sowohl in der Produktion, Nutzung und Entsorgung darauf ausgerichtet, Ressourcen zu schonen und keine negativen Folgen für den Lebensraum von Menschen und Tieren nach sich zu ziehen. Nachhaltige Mode zeichnet sich dadurch aus, dass sie umweltverträglicher, sozialer und tierfreundlicher ist als konventionelle Mode.

Wenn man von nachhaltiger Kleidung spricht, geht es dabei also nicht nur um einen einzigen Aspekt. Im Prinzip müssen wir die gesamte Lieferkette im Blick haben und auch, was der sogenannte „Endverbraucher“ damit macht. Es beginnt mit dem Anbau von natürlichen Rohfasern, wie zum Beispiel Baumwolle, beziehungsweise mit der Herstellung oder Beschaffung von Rohstoffen für Kunstfasern. Danach werden diese zu Fasern und Textilien verarbeitet und letztendlich zum fertigen Kleidungsstück. Die Kleidung wird dann von den Kunden gekauft und irgendwann wieder entsorgt.

Von der Rohfaser zur nachhaltigen Kleidung – Probleme und Chancen bei der Herstellung

Oft wird Nachhaltigkeit mit Umweltschutz in Verbindung gebracht. Und dieser macht auch einen wesentlichen Teil bei der Produktion von nachhaltiger Kleidung aus. Das Produktionsverfahren eines Unternehmens beeinflusst jedoch Natur, Menschen und Tiere gleichermaßen. Dabei gibt es natürlich sehr viele Möglichkeiten, was verbessert werden kann und jedes Unternehmen setzt hier seine eigenen Schwerpunkte. Welche Probleme die Industrie bei der Herstellung von Textilien hat und was für nachhaltige Mode getan werden kann, haben wir beispielhaft zusammengefasst.

Chemikalien

Probleme:

Sowohl beim Anbau von Rohfasern für Textilien, als auch bei der Verarbeitung, zum Beispiel beim Färben oder Bedrucken, kommen häufig umweltschädliche Chemikalien zum Einsatz, die ins Grundwasser gelangen oder die Gesundheit der Arbeiter und Käufer gefährden können.

Lösungsansätze:

Biologisch angebaute Rohstoffe, Anwendung aktueller und moderner Verfahren, recycelte Textilien und umweltschonende Färbemittel

Tierhaltung

Probleme:

Um in großer Masse tierische Rohstoffe zu liefern, werden Tiere häufig in engen Käfigen gehalten, bekommen nicht genügend Nahrung und haben teilweise eine Lebensdauer von nur ein paar Monaten.

Lösungsansätze:

Artgerechte Tierhaltung mit viel Platz und Zeit (zum Beispiel für die Gewinnung von Wolle) oder ein Verzicht auf Materialien tierischen Ursprungs (vor allem Pelz oder Leder)

Ressourcenverbrauch

Probleme:

Große Mengen Wasser und Strom werden in allen Phasen des Herstellungsprozesses verbraucht. Teilweise wird das Wasser dabei auch auf Dauer verunreinigt. Nach dem Gebrauch landet Kleidung regelmäßig auf Deponien oder wird verbrannt. Gerade bei kunststoffhaltiger Kleidung wird die Umwelt damit stark belastet und die enthaltenen Rohstoffe gehen verloren.

Lösungsansätze:

Energiesparende Maschinen und Verfahren, mehrfache Verwendung des Wassers und betriebsinterne Reinigungs- und Filteranlagen, weitestgehendes Recycling der Textilien

Arbeitsbedingungen

Probleme:

Geringe Löhne und Überstunden gehören oft zum Alltag der Arbeitskräfte in Afrika und Asien. Zudem wird kaum oder gar nicht auf die Gesundheit und Sicherheit während der Arbeit geachtet.

Lösungsansätze:

Verbindliche Arbeits- und Sicherheitsstandards, faire Löhne, regelmäßige Kontrollen

Abgase

Probleme:

Lange Transportwege, teilweise zwischen ganzen Kontinenten sorgen für schädliche CO²-Emissionen und auch in den Produktionsstätten selbst entsteht verunreinigte Abluft.

Lösungsansätze:

regionale Produktion, kurze Transportwege, Filteranlagen, moderne und abgasarme Technik

Transparente Produktion für nachhaltige Entscheidungen

Sehr wichtig für die Förderung nachhaltiger Mode ist, dass Modelabels Informationen bereitstellen, durch die jeder nachvollziehen kann, wo die Kleidung herkommt und unter welchen Bedingungen sie produziert wurde. Transparenz schafft Vertrauen in die Hersteller und ermöglicht die Übernahme von Verantwortung durch die Verbraucher. Natürlich wird es für Unternehmen kaum möglich sein, alle Anforderungen an nachhaltige Kleidung zu erfüllen. Jedoch sollten auf jeden Fall grobe Mängel beseitigt und Bemühungen für faire Mode unternommen werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Textilbündnis, das sich für nachhaltigere Textilien einsetzt. Insbesondere mit den Rechten der Arbeiter in der Textil- und Modebranche befasst sich die Kampagne für saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign).

Weitere Informationen über die Textilindustrie bekommt ihr auch beim Umweltbundesamt oder in einer Veröffentlichung des Gesamtverbandes textil+mode.

Fazit: Nachhaltige Kleidung hat Zukunft

Damit wir noch lange Zeit unbeschwert die Vielfalt der Mode genießen können, ist es wichtig, über nachhaltige Kleidung zu informieren und diese zu fördern. Da der Einsatz neuer Technologien, höhere Löhne oder Recycling erst einmal teurer und aufwendiger sind als konventionelle Methoden, mag das zunächst weniger rentabel erscheinen, langfristig überwiegen die Vorteile aber deutlich. Wir sollten an die Unternehmen appellieren, bei der Herstellung unserer Lieblingsstücke mehr auf den Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen zu achten. Eine Möglichkeit, um nachhaltige Kleidung in der Branche zu etablieren, sind schärfere Gesetze und Kontrollen, aber auch wir als Verbraucher haben einen bedeutenden Einfluss auf die Zukunft der Textilbranche.

Was jeder Einzelne dafür tun kann, dass Mode grüner wird, erfahrt ihr im nächsten Blogeintrag!