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Nachhaltige Kleidung im Netz: "Mit Ecken und Kanten" und "Bridge&Tunnel"

Eine Welt voller Ideen – ein gemeinsames Ziel

Seit einigen Wochen geben wir euch nun schon Infos und Tipps rund um den nachhaltigeren Umgang mit Kleidung. Das machen wir natürlich, weil uns das Thema wichtig ist und wir mit unserem Second Hand Onlineshop dazu beitragen wollen, dass die kostbaren Kleidungsstücke ein möglichst langes Leben bekommen. Wir sind aber nicht die einzigen, denen das Thema Nachhaltigkeit in der Mode am Herzen liegt. Es gibt viele Webseiten, Blogs und Onlineshops die viel Mühe und Zeit dafür investieren, die Welt ein bisschen „grüner“ zu machen.

Dazu haben wir einfach mal den Blick über den Tellerrand gewagt und recherchiert, was das Internet zum Thema ökologische und sozialverträgliche Kleidung zu bieten hat. Und das ist wirklich eine Menge! Viele Menschen haben erkannt, dass es Alternativen geben muss zu Intransparenz und Fast Fashion, welche oft mit schlechten Arbeitsbedingungen, dem Einsatz von Chemikalien und Plastik oder schlechter Qualität der Produkte einhergeht. Nachdem wir uns sprichwörtlich durch den Dschungel an Blogs, Videos und Onlineshops geschlagen haben, möchten euch ein paar großartige Konzepte vorstellen.

Geschenke für Menschen und Umwelt

Gerade so kurz vor Weihnachten lohnt es sich, kurz innezuhalten und zu überlegen, was wir mit unseren Geschenken bewirken möchten. Ist es nicht viel schöner, zu wissen, dass das was wir kaufen nicht nur dem Beschenkten eine Freude macht, sondern umwelt- und tierfreundlich hergestellt wurde, Müll vermeidet, soziale Projekte oder faire Arbeitsbedingungen fördert? Aber auch für uns selbst und unseren Alltag ist ein bewusstes Einkaufen wertvoll, gerade mit Blick auf die Zukunft. Glücklicherweise gibt es engagierte Unternehmer und Gründer, die sich Gedanken gemacht haben, wie Konsum nachhaltiger gestaltet werden kann. So sind Onlineshops entstanden, die Umwelt und Menschen gleichermaßen wertschätzen. Dank ihnen können wir ganz einfach nachhaltiger einkaufen. Und da viele der Shops aus persönlichen Geschichten heraus entstanden sind, freuen wir uns ganz besonders, auch die Menschen hinter den Ideen vorstellen zu dürfen.

Mit Blick auf Weihnachten gibt es für euch ganz am Ende des Beitrags noch eine kleine Auswahl an Shops mit nachhaltiger Kleidung, aber auch vielen anderen nützlichen und schönen Dingen.

Zunächst setzen wir aber voll auf Frauenpower und haben die Gründerinnen von "Mit Ecken und Kanten" und "Bridge&Tunnel" zu ihren nachhaltigen Ideen und Produkten befragt...

 

Mit Ecken & Kanten

Perfektion ist langweilig – es sind doch die kleinen Macken, die jemanden erst liebenswert machen! Im Gegensatz zu eigenwilligen Persönlichkeiten haben wir mit unperfekten Produkten jedoch selten ein Nachsehen. Was nicht verkauft werden kann, wird entsorgt und damit auch all die Arbeit und Rohstoffe, die für die Produktion nötig waren. Schade, oder? Auf der Website von Mit Ecken und Kanten kannst du Kleidung, Kosmetik, Lifestyle-Produkten und vielem mehr ein zweites Leben schenken - ganz im Sinne von Second Life Fashion also!


Interview mit der Gründerin von Mit Ecken und Kanten

Die Gründerin von Mit Ecken und Kanten in ihrem Laden 

© Mit Ecken und Kanten

Wer bist du?

Ich bin Jessica Könnecke, 26 Jahre alt und komme ursprünglich aus Herzogenaurach. Mein Bachelorstudium in International Business habe ich in Nürnberg verbracht und bin danach für mein einjähriges Masterstudium im Internationalen Marketing nach Schweden. Während dieser Zeit habe ich auch über das Thema Fair Fashion gebloggt und ehrenamtlich für zwei Fair Fashion Startups gearbeitet. So ist auch meine Leidenschaft für das Thema entstanden.

Wann und warum hast du gegründet?

Ich habe Mit Ecken und Kanten im November 2017 gelauncht. Ich wollte nach meinem Master meine Zeit in sinnvolle Projekte investieren und da entschied ich mich zu gründen. Ich hatte die Idee für meinen Shop nach und nach entwickelt und dachte mir, wenn ich es nicht ausprobiere, werde ich nie wissen, was aus meiner Idee geworden wäre.

Was macht deinen Shop/ deine Produkte aus? 

Das Besondere an meinem Konzept ist, dass es bei Mit Ecken und Kanten nur unperfekte und aussortierte Produkte gibt. Also faire und nachhaltige Produkte, die ursprünglich mal ein Muster waren, einen kleinen Schönheitsfehler haben, aus einem älteren Sortiment stammen oder eine alte Verpackung tragen. Die Produkte haben vielleicht ein paar Ecken und Kanten, werden dafür aber für einen günstigeren Preis verkauft.

Wie kommst du an deine Produkte? Fragst du dazu bei den Herstellern nach, oder kommen sie auf dich zu?

Sowohl als auch. Ich arbeite mit vielen Herstellern schon seit Anfang an zusammen und es kommen natürlich immer wieder welche dazu. Mittlerweile bekomme ich auch viele Anfragen direkt von den Herstellern. Ich wähle aber nur die Produkte aus, die auch zum Konzept passen und hinter denen ich zu 100% stehe.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für dich? 

Nachhaltigkeit ist mir persönlich sehr wichtig. Ich achte selbst sehr stark darauf was und wie viel ich einkaufe. Ich halte Second-Hand zum Beispiel für eine der nachhaltigsten Formen des Kleiderkonsums. Da man sich hin und wieder aber auch mal ein neues Kleidungsstück kaufen möchte, ist mein Konzept auch eine tolle Möglichkeit, weil ich die Produkte natürlich günstiger anbieten kann.


 

Bridge&Tunnel

Auch unsere Lieblingsjeans verdient ein zweites Leben! Für die Verwertung getragener Jeans und den Resten aus deren Herstellung setzen sich Bridge&Tunnel ein. Mit Hilfe eines multinationalen Teams fertigen sie in Hamburg wunderschöne Taschen, Kleidung, Heimtextilien und Accessoires aus Jeansstoff. So bekommen auch Menschen eine Chance, die es bisher schwer hatten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Zusätzlich gibt es Schnittmuster und die Möglichkeit die eigene Jeans zu schönen und praktischen neuen Produkten nähen zu lassen. Das ist Nachhaltigkeit, die uns beeindruckt!


Interview mit den Gründerinnen von Bridge&Tunnel

Das Team von Bridge&Tunnel    Bridge&Tunnel verarbeiten Jeansstoff zu neuen Produkten

© Bridge&Tunnel

Wer seid ihr? 

Hinter Bridge&Tunnel stehen wir, Hanna Charlotte Erhorn (Lotte) und Constanze Klotz (Conny). Als diplomierte Textildesignerin ist Lotte die Expertin für das Design und die Produktion. Conny ist als promovierte Kulturwissenschaftlerin mit Kommunikation, Fundraising und Kooperationen befasst. Wir nennen das Innen- und Außenministerin. Am meisten verbindet uns aber unsere raketenmäßige Begeisterung dafür, mit kleinen Schritten die Welt ein bisschen besser zu machen.

 

Wann und warum habt ihr gegründet?

Bridge&Tunnel gibt es seit Sommer 2016. Die Idee zum Label kam im wahrsten Sinne des Wortes zu uns: 2013 haben wir das Stoffdeck (www.stoffdeck.de), einen Co-Working Space für Mode- und Textildesigner in Hamburg-Wilhelmsburg eröffnet. Als wir 2015 von einem deutsch-türkischen Nähclub hörten, der sich mit seinen Haushaltsnähmaschinen in einer Wilhelmsburger Moschee zum Nähen trifft, haben wir sie kurzerhand eingeladen, ihren Nähtreff im Stoffdeck abzuhalten. Und standen dann fassungslos daneben: Denn viele der Frauen waren wahnsinnig talentiert an der Nähmaschine, steckten aber alle seit vielen Jahren in der Langzeitarbeitslosigkeit fest. Da war uns schlagartig klar: wir müssen diese beiden Welten vernähen.

Bridge&Tunnel steht deshalb für Design, das Gesellschaft verändert. Unser Label fertigt nachhaltig und fair: inmitten Hamburgs mit gesellschaftlich benachteiligten Menschen sowie mit Geflüchteten, die erst vor kurzer Zeit nach Deutschland gekommen sind. Das Design unseres Labels entsteht aus post- und pre-consumer waste, wertvolle Denim Materialressourcen, die bei Bridge&Tunnel stilvoll in Szene gesetzt werden. Die Kollektion Denim Love umfasst ausgefallene Fashion Pieces, exklusive Taschen sowie hochwertige Interior Design Produkte – jedes Stück ein echtes Denim Unikat.

 

Was würdet ihr sagen, macht euren Shop/ eure Produkte aus/ was macht sie einzigartig? 

Wir träumen von einem Designlabel, das den Gestaltungsgedanken nicht nur im Produkt, sondern auch in der Arbeits- und Produktionsweise widerspiegelt. Ethik und Ästhetik gehen bei uns Hand in Hand.

Unsere Designs entstehen aus Denim und zwar aus post- und pre-consumer waste. Denim ist nicht nur wahnsinnig vielfältig, sondern auch sehr robust. Nach einigen Experimenten, bei denen wir im Patchwork-Verfahren die unversehrten Teile von used Jeans weiterverarbeitet hatten, war uns schnell klar, dass sich tatsächlich Kollektionsideen aus abgelegten Jeans entwickeln lassen. Patchwork ist noch immer unser wichtigstes Produktionsverfahren. Alle unsere Designs haben deshalb einen geometrischen, minimalistischen Look, der sich aus dem reduzierten Patchwork speist.

Unser Anspruch ist es, dass unsere Produkte das Potenzial zu individuellen Allround-Lieblingsstücken haben. Die Schnitte sind klassisch mit raffinierter Ausführung. Und jedem einzelnen Piece sieht man unsere Freude an Materialität und Farbe an.

Bridge&Tunnel steht für Design Plus. Man erwirbt nicht nur einen wunderschönen Rucksack oder ein Kissen aus unserer Kollektion, sondern trägt gleichzeitig dazu bei, dass unser Anspruch „we design society“ Realität wird!

 

Wie entsteht der Kontakt zu potenziellen Mitarbeitern? Wie habt ihr von den Menschen und ihren Fähigkeiten erfahren?

Als klar war, dass es mit Bridge&Tunnel ernst wird, wollten wir die Info, dass wir handwerklich begabte Näherinnen und Schneiderinnen suchen, natürlich bestmöglich streuen. Wir hatten dann das große Glück, dass im Wilhelmsburger Wochenblatt – einem viel gelesenen Blatt der Insel – ein Artikel mit unserem Angebot sogar auf dem Titel erschien. 4 Jobs wollten wir vergeben, gemeldet haben sich fast 60 (!) Leute. Auch das Jobcenter, mit dem wir eng zusammenarbeiten, hatte unsere Info gestreut. Unser Telefon stand tagelang nicht still… Es war unfassbar, welchen Nerv wir offenbar getroffen hatten. Wir haben dann am Telefon erstmal mit allen Interessierten eine Abfrage nach ihren Näherfahrungen und eine kleine Erstberatung gemacht. 25 haben wir dann zu einem Probenähen eingeladen und daraus unser Team ausgewählt. Neben dem Geschick an der Nähmaschine haben wir das Sprachniveau und die zeitliche Verfügbarkeit abgefragt. Und natürlich haben wir auch geschaut, dass die einzelnen Frauen und Männer gut zueinander ins Team passen.

Aktuell arbeiten 5 Menschen bei Bridge&Tunnel. Unsere Näherinnen und Näher stammen aus insgesamt 5 Ländern und haben verschiedene Handicaps, die es ihnen schwer gemacht haben, auf dem regulären Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Alle verbindet aber, dass sie granatenmäßig nähen können – und das unabhängig von Diploma oder Zeugnissen. Zum Team gehören eine russischstämmige gehörlose Näherin, ein afghanischer Herrenschneider, eine Frauen mit indischem und eine mit nigerianischem Hintergrund, die schon viele Jahre in Deutschland leben, aber durch Kinderbetreuung, fehlende Ausbildung und mittelmäßige Sprachkenntnisse keinen Job finden konnten sowie eine Bekleidungstechnikerin mit türkischen Wurzeln, die das Team anleitet.

 

Welche Idee war zuerst da: Das Upcycling von gebrauchten und überschüssigen Textilien, oder die Unterstützung von Menschen, die am Arbeitsmarkt Schwierigkeiten haben?

Der Wunsch ein ökologisch nachhaltiges Label zu schaffen – und der, Menschen einen Job zu geben, kamen wie ein Urknall zusammen. Wir finden es gerade spannend, diese beiden Welten, die sonst eher weniger Berührungspunkte haben, miteinander zu „vernähen“.


Vielen Dank für die interessanten Interviews!


Weitere Onlineshops mit nachhaltiger Kleidung oder nachhaltigen Accessoires im Sortiment, auf die sich ein Klick lohnt…

Sinfinis - Ein Shop mit vielen nachhaltigen schönen Dingen, neben Kleidung auch Schmuck, Kosmetik oder Wohnaccessoires. Toll: Welche Nachhaltigkeitskriterien bei den einzelnen Produkten erfüllt werden, könnt ihr dank eindeutiger Symbole auf den ersten Blick erkennen.

Upcycling Deluxe – Upcycling-Produkte aus teils ungewöhnlichen Materialien. Toll: Ihr könnt das Sortiment nach den Ausgangsprodukten sortieren lassen – falls ihr euch schon immer einmal gefragt habt, was man aus Elefantendung herstellen kann…

Grüne Erde – Hochwertige Mode, Möbel, Heimtextilien und Wohnaccessoires. Toll: optisch sehr schön gestaltete Website mit vielen Informationen und hübschen Produktfotos.

Grundstoff – Ob T-Shirts, Leggins oder Pullover, alle Basics sind fair gehandelt und aus Bio-Baumwolle. Toll: Schlichte und nachhaltige Kleidung die sich jeder leisten kann.

Avocadostore – Großer Online-Marktplatz mit allerlei nachhaltig produzierenden Marken. Toll: Das vielfältige Angebot bei dem für jeden Geldbeutel etwas Passendes dabei ist.

Suslet – Stationärer Outletstore für nachhaltige Marken, bis zu 70% günstiger. Toll: Momentan nur in Augsburg, aber wenn sich das Konzept durchsetzt, vielleicht auch bald bei euch um die Ecke.


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